Diagnose und Management von rheumatischen Erkrankungen: BerlinCaseViewer auf dem EULAR 2024

Fortschritt kommt in der Medizin häufig in kleinen Schritten statt mit großen Revolutionen daher. Umso wichtiger ist es, am Puls der Zeit zu bleiben: durch Recherchieren und Lesen, Miteinander-Diskutieren und Voneinander-Lernen. Deshalb folgten wir vom 12. bis zum 15. Juni 2024 dem Aufruf der EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology) nach Wien.

Dort fand unter österreichischer Schirmherrschaft von Daniel Aletaha, Rheumatologe und aktueller Präsident des europäischen Dachverbands, der alljährliche EULAR-Kongress statt. Wir nehmen dich mit zu unseren Highlights vom EULAR 2024.

Der EULAR 2024 in der Messe Wien

Der EULAR zählt zu den wichtigsten Plattformen für den wissenschaftlichen und klinischen Austausch in Europa – mit dem Ziel, das Leben von Menschen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen zu verbessern. Neben der Rheumatologie kommt bei der Diagnose und der Wahl der Therapie auch der Radiologie eine zentrale Rolle zu.

Rheumatologie und Radiologie: Ist es axSpA oder axPsA?

Technische Fortschritte in der Bildgebung führen oft zu weitreichenden Veränderungen. Dazu zählt auch eine veränderte Nomenklatur. Ein Beispiel hierfür ist die neue Einteilung von Morbus Bechterew in:

  • Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (keine Röntgenveränderungen sichtbar)
  • Röntgenologische axiale Spondyloarthritis (Röntgenveränderungen sichtbar)

Die neue Bezeichnung axSpA berücksichtigt auch frühe Formen der Erkrankung, bevor eine Verknöcherung der Wirbelsäule (Spondylitis ankylosans) vorliegt.

Ein ähnliches Thema beschäftigt seit Längerem schon die Fachgesellschaften für axiale Spondyloarthritis (ASAS – Assessment of SpondyloArthritis international Society) und Psoriasis-Arthritis (GRAPPA – Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis): Ist es axSpA oder axPsA?

Eine EULAR-Session widmete sich daher den Fragen: Wie lassen sich axiale Spondyloarthritis und axiale Psoriasis-Arthritis unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten gibt es? Könnte es sich vielleicht sogar um ein- und dieselbe Erkrankung mit unterschiedlichem Phäntotyp handeln?

Diese spannende Session fand unter dem Vorsitz des Rheumatologen Dennis McGonagle aus Leeds (United Kingdom) und der Rheumatologin Gizem Ayan aus Ankara (Türkei) statt. 

Der Rheumatologe Phillippe Carron aus dem belgischen Gent lieferte einen umfassenden Überblick zum axialen Befallsmuster und konnte anhand der Bildbefunde einige Ähnlichkeiten zwischen axPsA und axSpA hervorheben, aber auch klare Unterschiede bei den Läsionen zeigen. 

Die Rheumatologin Sofia Ramiro war aus Leiden in den Niederlanden angereist, um aktuelle Ergebnisse aus der klinischen Forschung vorzustellen. Abschließend betonte sie, dass weitere Studien notwendig seien, um beispielsweise die Wirksamkeit von Biologika wie Interleukin-23-Inhibitoren zu erforschen. In ähnlicher Weise stellte die Rheumatologin Catarina Abreu aus Lissabon verschiedene Phänotypen der axPsA vor und unterstrich zum Schluss, dass es gilt, die Klassifikationskriterien für axPsA weiter zu verfeinern.

Hier kommt die aktuelle Forschung ins Spiel – allen voran die AXIS-Studie, die der Rheumatologe Murat Torgutalp von der Berliner Charité vorstellte. An dieser Studie sind auch Fachleute aus dem BerlinCaseViewer-Team beteiligt: Torsten Diekhoff (Radiologie), Kay G. Hermann (Radiologie) und Denis Poddubnyy (Rheumatologie). 

Zu den vorläufigen Studienergebnissen zählen erhöhte Werte (CRP – C-reaktiven Protein) und positive Befunde (HLA-B27) sowie Rückenschmerzen bei der axialen Psoriasis-Arthritis, oft in Kombination mit entzündlichen und strukturellen Läsionen in den Sakroiliakalgelenken und entlang der Wirbelsäule. Solche Veränderungen lassen sich auch mithilfe der Bildgebung sichtbar machen.

Interaktive Sessions mit dem BerlinCaseViewer

Wer das Zusammenspiel von Rheumatologie und Radiologie in der Praxis erleben wollte, war bei den interaktiven Sessions, gestützt von der BerlinCaseViewer App, genau richtig.

Vortrag beim EULAR: axSpA vs. axPsA

1. SpA und Bildgebung

Unsere erste interaktive Session am 13. Juni 2024 war ein voller Erfolg: Der kleine Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Warteliste lang. Das tat der Lernfreude keinen Abbruch, ganz im Gegenteil! Mithilfe von Laptops vor Ort und der BerlinCaseViewer App im Gepäck konnten die Teilnehmenden direkt in Beispielfälle eintauchen und die Bildbefunde pixelgenau analysieren.

Der Radiologe Kay G. Hermann vom BCV-Team führte gemeinsam mit der belgischen Rheumatologin Gaëlle Varkas durch die Session, bei der die axiale Spondyloarthritis im Fokus stand.

Im Überblick:

  • Einführung – Kay G. Hermann 
  • Röntgenologische Beurteilung der Spondyloarthritis (Sakroiliakalgelenke) – Mikkel Østergaard 
  • MRT-Veränderungen bei Spondyloarthritis (Sakroiliakalgelenke) – Kay G. Hermann 
  • Fallstricke und Differenzialdiagnosen – Gaëlle Varkas 

Bei der interaktiven Fallarbeit hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, für axSpA typische Befunde vom Röntgen und aus der MRT zu untersuchen und zu bewerten. Die Fallbeispiele, inklusive Differenzialdiagnosen, führten zu einem regen fachlichen Austausch. Das zeigte uns einmal mehr, wie wichtig es ist, theoretisches Wissen mit der praktischen Anwendung zu verknüpfen.

2. Extremitäten im Fokus: Wie MRT das Management von rheumatischen Erkrankungen erleichtert

Wer im Bereich Rheumatologie oder muskuloskelettale Radiologie tätig ist, weiß, dass die Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis nicht nur das Achsenskelett, sondern den gesamten Körper betreffen können. Bei unserer zweiten interaktiven Session am 14. Juni 2024 drehte sich deshalb alles um die Extremitäten. 

Das rheumatologisch-radiologische Gespann aus Susanne Juhl Pedersen und Kay G. Hermann führte durch das Programm, diesmal in einem größeren Raum. Die Teilnehmenden hatten ihre eigenen Geräte dabei und konnten mit einem Klick ohne langwierige Installation auf BerlinCaseViewer-Plattform zugreifen, um interaktiv an den Fallbeispielen zu arbeiten.

Im Überblick:

  • Entzündliche Arthritis, Arthrose, Infektion oder Tumor: wie die MRT helfen kann – Iris Eshed
  • MRT bei Grenzfällen und subklinischen Erkrankungen: wie man damit umgeht – Mikkel Østergaard
  • Interaktive Fallarbeit – Kay G. Hermann, Susanne Juhl Pedersen, Mikkel Østergaard, Iris Eshed

Nach einer theoretischen Einführung ging es direkt in die Praxis, um zu zeigen, wie die Magnetresonanztomografie in der Diagnose und beim Management von rheumatischen muskuloskelettalen Erkrankungen helfen kann. Im Nachgang standen die Vortragenden noch per Pin&Comment-Funktion zur Verfügung, um Fragen zu den Fällen zu beantworten, auch zu Fällen, für deren Besprechung in der Session am Ende die Zeit nicht ausreichte.

Einen Fall haben wir hier für dich in unserer Web-App bereitgestellt. Mit welcher Erkrankung haben wir es hier zu tun?

(zum Vergrößern klicken)

Kannst du die MRT-Befunde nutzen, um die Diagnose in die richtige Richtung zu lenken?

Alter: 63

Geschlecht: männlich

Medizinische Vorgeschichte:

  • Schmerzen in den MCP-Gelenken, aber keine Schwellung
  • Morgensteifigkeit von etwa 30 Minuten

Klinische Befunde:

  • ACPA- und RF-positiv
  • CRP 3,5 mg/l

Fazit

Der EULAR 2024 bot zahlreiche neue Denkanstöße mit den neuesten Erkenntnissen aus der Forschung. Neben den interaktiven Sessions mit dem BerlinCaseViewer war die Gegenüberstellung von axSpA und axPsA ein besonderes Highlight für uns.

Die BCV App enthält bereits mehrere Module zur axialen Spondyloarthritis (axSpA) und dient somit als herausragende Ressource für Fachleute, die ihr Spezialwissen erweitern möchten. Für uns können wir mitnehmen: Auch axPsA hat das Potenzial für spannende Module. 

Bleib dran für zukünftige Entwicklungen und neue Module: Hol dir frisches Know-how mit unserem BCV-Insider, unserem Newsletter, oder folge uns auf Instagram oder LinkedIn für aktuelle Einblicke.

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